Das Lesen gegen das Vergessen zu einer Erkneraner Tradition machen

franzi/ Mai 10, 2019

Liebeserkärung an das Leben: Franziska Schneider, Kandidatin für die Stadtverordnetenversammlung und den Landtag Brandenburg in diesem Jahr, las einen privaten Brief von Rosa Luxemburg vor. Foto © Privat

Am 10. Mai 2019, dem 86. Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennung, trafen sich im Erkneraner Rathaus etwa 50 Einwohner der Stadt, um an das damalige Fanal des Staates gegen die unabhängige Intelligenz zu erinnern und ein Zeichen gegen aufkommende rechte Gedanken zu setzen. Im Rahmen der bundesweiten Aktion Lesen gegen das Vergessen war das unsere zweite Veranstaltung nach dem Anfang im vergangenen Jahr.

Zwölf Literaturbegeisterte aller Altersgruppen lasen Texte von Autoren, deren Werke 1933 in die Flammen geworfen wurden. Eingeladen dazu hatten der Ortvorstand und die Fraktion DIE LINKE, Bündnis 90/Die Grünen, der Ortsverein und die Fraktion der SPD, die CDU Fraktion, der Bürgermeister Henryk Pilz, der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Lothar Eysser und das Gerhart-Hauptmann-Forum Erkner.

Erich Kästner, Émile Zola, Erich Mühsam, Rosa Luxemburg, Heinrich Heine, Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky kamen in der guten Stunde zu Wort. Prosa, Gedichte und Briefe wurden vorgetragen.

Die Lesenden hatten sich nicht nur politisch schwere Kost ausgewählt. Ausschnitte aus Heines „Buch der Lieder“, Tucholskys „Danach“ und Kästners „Präludium auf Zimmer 28“ beleuchteten zum Beispiel menschliche Beziehungen mit Augenzwinkern.

Franziska Schneider, Kandidatin für die Stadtverordnetenversammlung und den Landtag Brandenburg 2019, las einen Brief von Rosa Luxemburg vor, den die 1919 ermordete kommunistische Politikerin im Jahr 1915 aus dem Gefängnis an ihre Freundin Luise Kautzky geschrieben hatte. “Die sprühende Intelligenz, die Lebensfreude und der Witz von Rosa kommen hier gut zur Geltung. Nahezubringen, dass auch die größten Geister menschliche Seiten haben, steigert die Freude daran, sich mit ihnen auseinanderzusetzen”, begründete die 33-Jährige Erkneraner Linke ihre Wahl.

Höhepunkt und Abschluss bildeten Margit Schmidt und Ralf Schlösser von der Schauspielschule „Drehbühne“ aus Erkner. „Wir kommen nächstes Jahr wieder und bringen unsere jungen Leser mit“, versprach Ralf Schlösser. Die Stadtbibliothek Erkner hat schon jetzt versprochen: „2020 lesen wir mit gegen das Vergessen.“ Viele Zuhörer bestätigten den Veranstaltern. „Das war sehr anregend. Wir werden auch in nächsten Jahr wieder dabei sein.“

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