Zuviel gekümmelt?

franzi/ September 20, 2019

Kittners Gewürzregal, vielfältig, rot und scharf. Die Kittners halt. ©privat

Im Kümmels Anzeiger, Nr. 17/19, vom 21.08.2019 gibt Michael Hauke, Verlagseigentümer Hauke e.K. sowie Herausgeber von Kümmels Anzeiger, zu Bedenken, er fühle sich dem Journalismus, der sorgfältigen Recherche und der aufrichtigen Berichterstattung verpflichtet. Nun, ja!

Gegenstand seiner Betrachtung ist Ziffer 12 des Pressekodexes. Der verhindere nämlich eine ordentliche, wahrheitsgemäße Presse. „Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer rassischen, ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.“ So heißt es dort. Und weiter: „In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.”

Hauke meint „Die ganze Wahrheit zu kennen, ist jedoch nicht erwünscht.“ Wie macht man es nun – aus seiner Sicht – als aufrichtiger Journalist richtig? Sehen wir auf seinen Text!

Er sagt: „Noch heute darf Jeder ins Land.“ Aus „Jeder“ und „Männer“ wird schon im nächsten Satz der „Einwanderer“. Und schwupps folgt aus „Jedem“, „Männer“ und „Einwanderer“ gleich der „Asylbewerber.“ Und der hat „Anspruch auf volle finanzielle Unterstützung sowie auf ein Asylverfahren“. Und er darf bleiben! Selbst wenn er schwerst kriminell geworden ist. Vermutlich aus dem Gefängnis wird er dann den jahrelangen „Klageweg“ einschlagen. Dann folgt – so sieht es Hauke – im Anschluss daran in der Regel die Duldung. Hmm! Ist die Realität wirklich so, wie das Bild, das Hauke da zeichnet?

Hauke fordert das Nennen der Nationalität „Junger Männer“ die sich seines Erachtens gegenüber der Gesellschaft schuldig gemacht haben. Ganz bewusst, will er sich doch nicht mit den tatsächlichen Fakten eines Geschehens auseinandersetzen. Auch die Mär von den Folgen unkontrollierter Einwanderung bemüht Hauke. Faktenresistent beschwört er die Angst der Menschen, ganz zielgerichtet ist es sein Anliegen, diese Angst zu erzeugen und zu erhalten.

Ich denke wir bleiben dabei: Es sollen nur dort weitere Merkmale zu Personen und Geschehnissen genannt werden, wo sich diskriminierende Verallgemeinerungen verhindern lassen. Kommt es darauf an, weil ein begründeter Sachbezug zwischen Tat und Nationalität gegeben ist, muss auch die angegeben werden. Hauke demonstriert in seinem Beitrag, wie man es falsch macht. Wie man zu herabsetzenden Verallgemeinerungen ganzer Gruppen kommt.

Als Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin würde ich mir von Hauke als verantwortungsbewusstem Unternehmer einer bedeutenden, weil flächendeckenden Anzeigenzeitung unserer Region wünschen, ein ausgewogenes Anzeigenblatt mit einem Drittel journalistischer Beiträge herauszugeben. Nur damit würde der Hauke Verlag die Bürger befähigen, am demokratischen Prozess wirklich teilzunehmen. So lange dies Blatt jedoch mit Meinungen, Anzeigen und dazugehörigen Texten bestückt ist, rate ich Hauke, sich nicht über guten und schlechten Journalismus auszulassen, sondern erst einmal selbst damit anzufangen!

Der Leserbrief ist hier nachzulesen: http://www.hauke-verlag.de/images/stories/onlineausgabe/ka-19-19.pdf

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