Frauen und Film

schneiderfranziska/ Februar 28, 2018

Kultur der gepflegten Ungleichheit

In Demokratien bekennt sich verbal jeder zur Gleichstellung. So heißt es im Grundgesetz: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ (Art. 3 Abs. 2 GG) Doch die praktische Umsetzung hinkt dem hinterher. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass Frauen die gleichen Chancen haben wie Männer. Medien und insbesondere das Genre Film könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten. Doch tun sie das?

Es geht um einen Kulturwandel

Medien- und Meinungsfreiheit sind unverzichtbare Eckpfeiler der Demokratie. Doch was ist, wenn Medien hauptsächlich von Männern gemacht werden und dadurch Männeransichten (über Frauen) dominieren? Jeder kann das selbst überprüfen und sich beim nächsten Filmabend die Fragen stellen: Wie viele Frauen kommen vor? Haben sie einen Namen und Beruf? Unterhalten sie sich auch über etwas anderes außer über Männer? Diese und ähnliche Fragen stellt der Bechdel-Test, um die Präsenz von Frauen im Film weltweit zu analysieren. In Deutschland bestehen nur knapp 14 Prozent der Filme diesen Test.

Wer die stereotypen Bilder verändern und damit die Gleichberechtigung praktisch umsetzen möchte, kommt an einem fairen Geschlechterverhältnis in der Film- und TV-Produktion nicht vorbei. Es geht um einen Kulturwandel, der Geschichten und Perspektiven von Frauen in ihrer Vielfalt sichtbar machen soll. Dies gelingt nur, wenn die Vergabe von Aufträgen und Fördermitteln ausgewogen ist sowie Frauen und Männer zu gleichen Teilen an der Herstellung von Film- und Medieninhalten beteiligt sind.

Ungleiche Filmförderung

Die Kommunikationswissenschaftlerin Elizabeth Prommer vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock hat in der kürzlich publizierten Studie zu Filmfördermitteln im Jahr 2016 herausgestellt, dass Regisseurinnen die Gelder deutlich effizienter eingesetzt haben als männliche Kollegen. Eine Regisseurin benötigt der Studie zufolge durchschnittlich 13 Euro Fördermittel. Das ist knapp ein Drittel gegenüber dem, was ein männlicher Regisseur an Förderung braucht. Ähnliches gilt für Produktionen, bei denen Produzentinnen durchschnittlich 17 Euro einsetzen, ihre männlichen Kollegen hingegen 42 Euro. Noch gravierender stellt die Studie heraus: 2016 wurden nur 22 Prozent weibliche Regiearbeiten gefördert und das mit weniger als einem Fünftel der Gesamtfördersumme! Das Ungleichgewicht hat auch Auswirkungen auf die Darstellung von Frauen im Film. Denn weibliche Filmschaffende geben Frauen mehr Sichtbarkeit, und zwar auch dann, wenn sie älter als 30 Jahre sind. Bei Regisseurinnen sind fast doppelt so viele Frauen auf der Leinwand zu sehen als bei männlichen Kollegen.

Um Mitbestimmung von Frauen zu fördern, ist es wichtig, dass auch weibliche Geschichten in der Film- und Medien-Branche präsent sind und vor allem nicht nur durch männliche Augen gezeigt werden. Gleichstellung in der Film- und Medienbranche bedeutet also: Gleichstellung bei der Besetzung von Spitzenpositionen, bei der Förderung und in den Vergabegremien. Eine feste Quote bei der Besetzung von Führungspositionen öffentlich geförderter Institutionen und Projekte wäre ein erster Schritt, um das Missverhältnis im Kulturbetrieb aufzulösen.

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