Hochschule des Verbrechens

franzi/ Januar 15, 2020

Der ehemalige Gefängnisdirektor Thomas Galli fordert die Abschaffung des Anachronismus Knast

Junge Welt – Von Volkmar Schöneburg

»Wie kann man vernünftigerweise auf den Gedanken verfallen, man lerne schwimmen vor allem dadurch, dass man das Wasser meidet?« Mit diesem Gleichnis verweist der Politikwissenschaftler Wolf-Dieter Narr auf das Paradoxon der Gefängnisstrafe, wonach unter den Bedingungen der totalen Institution Knast der Gefangene zu einem zukünftigen Leben ohne Straftaten in Freiheit befähigt werden soll. So steht es jedenfalls in den einschlägigen Strafvollzugsgesetzen. Die Auffassung, dass das System Knast weitgehend dem vorgegebenen Resozialisierungsanspruch widerspricht, wird durch das Buch von Thomas Galli »Endstation Knast« argumentativ weiter untermauert.

Das Gefängnis ist gemeinhin eine »Terra incognita«. Medial wird über den Knast in der Regel nur im Zusammenhang mit Ausbrüchen, Geiselnahmen, Liebesaffären und Drogenschmuggel berichtet. Oder wenn Reformen des Strafvollzugs von populistischen Politikern dümmlich als Einführung eines »Hotelvollzugs«, in dem der Täterschutz Vorrang vor dem Opferschutz habe, diskreditiert werden. Demgegenüber bietet Galli eine ernüchternde Innenansicht des Strafvollzugs. Er weiß, wovon er spricht, arbeitete er doch 15 Jahre im Gefängnis, zuletzt als Leiter der JVA Zeithain. Über neun spannend erzählte authentische Geschichten gewähren wichtige Einblicke.

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Thomas Galli: Endstation Knast. Ein Gefängnisdirektor packt aus, Riva-Verlag München 2019, 192 Seiten, 17,99 Euro
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